BilanzWerk Logo BilanzWerk Kontakt
Anfänger 7 Min Lesezeit Februar 2026

Die Bilanz verstehen — Aktiva und Passiva

Lernen Sie, wie Vermögenswerte und Verbindlichkeiten in einer Bilanz strukturiert sind und was diese über Ihr Unternehmen aussagen. Eine praktische Einführung in die Grundlagen der Bilanzanalyse.

2 Hauptseiten
4 Kernkonzepte
100% Praktisch anwendbar
Geschäftsfrau analysiert Bilanzdaten und Finanzkennzahlen auf ihrem Computerbildschirm mit Diagrammen und Finanzberichten

Was ist eine Bilanz überhaupt?

Eine Bilanz ist im Grunde eine Momentaufnahme. Sie zeigt, was Ihr Unternehmen besitzt, was es schuldet und wie viel Eigenkapital vorhanden ist — alles zu einem bestimmten Stichtag. Das Interessante: Die Bilanz muss immer ausbalanciert sein. Das heißt, Aktiva und Passiva müssen gleich sein.

Die Bilanz ist einer der drei Teile des Jahresabschlusses. Zusammen mit der Gewinn- und Verlustrechnung und dem Anhang bildet sie die Grundlage, auf der Banken, Investoren und Behörden Ihr Unternehmen beurteilen. Deshalb ist es wichtig, dass Sie verstehen, wie sie funktioniert.

In diesem Leitfaden schauen wir uns die beiden Seiten einer Bilanz genauer an — die Aktiva auf der linken Seite und die Passiva auf der rechten Seite. Sie werden sehen, dass dahinter eine klare Logik steckt.

Aktiva — Das Vermögen Ihres Unternehmens

Die linke Seite der Bilanz zeigt, worin Ihr Unternehmen investiert hat. Das ist das Vermögen oder eben die Aktiva. Sie besteht aus zwei Hauptgruppen: dem Anlagevermögen und dem Umlaufvermögen.

Anlagevermögen

Das sind Vermögenswerte, die längerfristig im Unternehmen bleiben. Maschinen, Gebäude, Fahrzeuge, Beteiligungen — all das zählt dazu. Wenn Sie beispielsweise vor zwei Jahren eine neue Produktionsanlage gekauft haben, die noch 8 Jahre genutzt wird, steht sie im Anlagevermögen. Der Wert wird jedes Jahr um die sogenannte Abschreibung reduziert.

Umlaufvermögen

Hier sind die Vermögenswerte, die schneller „umschlagen”. Rohstoffe und Materialien, fertige Produkte, Forderungen an Kunden — das ändert sich ständig. Wenn Sie Waren auf Rechnung verkaufen, erscheinen diese Forderungen im Umlaufvermögen, bis der Kunde bezahlt. Das Geld auf dem Bankkonto ist auch Umlaufvermögen.

Die Summe aller Aktiva sagt Ihnen, wie viel Vermögen Ihr Unternehmen hat. Aber nicht alles davon gehört Ihnen allein — einen Teil haben Sie finanziert, indem Sie Schulden aufgenommen haben. Das führt uns zu den Passiva.

Visualisierung von Eigenkapital und Fremdkapital als Finanzierungsquellen in einer modernen Geschäftsumgebung

Passiva — Eigenkapital und Schulden

Die rechte Seite der Bilanz zeigt, wie das Vermögen finanziert wurde. Hier unterscheiden wir zwischen zwei Quellen: dem Eigenkapital (Ihr Geld) und dem Fremdkapital (Schulden).

Eigenkapital

Das ist das Geld, das Sie selbst ins Unternehmen investiert haben, plus die Gewinne, die Sie nicht entnommen haben. Wenn Sie ein Unternehmen gegründet haben und 50.000 Euro eingezahlt haben, ist das Eigenkapital. Wenn Sie in den ersten drei Jahren 30.000 Euro Gewinn gemacht haben, ist das Eigenkapital jetzt 80.000 Euro.

Fremdkapital

Das sind Schulden. Bankdarlehen, Kredite von Lieferanten (offene Rechnungen), Steuerschulden — das alles muss bezahlt werden. Das Fremdkapital ist genauso wichtig wie das Eigenkapital, denn viele Unternehmen wären ohne Kreditfinanzierung gar nicht möglich.

Die Passiva zeigen Ihnen also: Mit wie viel eigenem Geld finanziere ich mein Unternehmen, und wie viel Fremdkapital nutze ich? Diese Balance ist entscheidend für die Finanzstabilität.

Die Grundgleichung: Aktiva = Passiva

Das Wichtigste, das Sie verstehen müssen: Eine Bilanz muss immer in sich ausgeglichen sein. Die Formel ist einfach:

Aktiva = Eigenkapital + Fremdkapital

Das heißt, alles, was Ihr Unternehmen besitzt, wurde entweder durch eigenes Geld oder durch Schulden finanziert. Es gibt da nichts, das einfach so da wäre.

Ein konkretes Beispiel

Stellen Sie sich ein kleines Produktionsunternehmen vor. Es hat:

  • Aktiva: Maschinen (120.000 ), Lagerbestand (45.000 ), Forderungen (30.000 ), Bankkonto (25.000 ) = 220.000 insgesamt
  • Passiva: Eigenkapital (100.000 ), Bankdarlehen (95.000 ), Lieferantenschulden (25.000 ) = 220.000 insgesamt

Sehen Sie? Beide Seiten sind gleich. Das muss immer so sein. Wenn die Zahlen nicht passen, ist ein Fehler in der Buchhaltung.

Balancierte Waage zeigt das Gleichgewicht zwischen Aktiva und Passiva in einer Bilanz

Warum ist das wichtig für Ihr Unternehmen?

Finanzielle Gesundheit

Die Bilanz zeigt, ob Ihr Unternehmen stabil ist. Ein hohes Eigenkapital bedeutet Sicherheit. Ein zu hohes Fremdkapital kann riskant sein.

Vertrauen aufbauen

Banken, Lieferanten und Investoren schauen auf die Bilanz. Eine solide Bilanz macht es leichter, Kredite zu bekommen oder neue Geschäfte abzuschließen.

Bessere Entscheidungen

Wenn Sie verstehen, wo Ihr Geld fließt und woher es kommt, können Sie bessere Investitionsentscheidungen treffen.

Gesetzliche Anforderungen

In Deutschland müssen die meisten Unternehmen eine Bilanz erstellen. Das Handelsgesetzbuch (HGB) schreibt das vor.

“Eine Bilanz ist wie ein Spiegel Ihres Unternehmens. Sie sagt Ihnen nicht, wohin Sie gehen sollten, aber sie zeigt Ihnen genau, wo Sie gerade stehen.”

— Praktische Weisheit aus der Finanzbuchhaltung

Praktische Tipps für Ihre Bilanzanalyse

01

Vergleichen Sie im Zeitverlauf

Schauen Sie nicht nur auf die aktuelle Bilanz. Vergleichen Sie die Bilanzen der letzten 3-5 Jahre. Wächst das Vermögen? Sinken die Schulden? Das zeigt Trends, die einzelne Jahrzahlen nicht offenbaren.

02

Berechnen Sie die Eigenkapitalquote

Teilen Sie das Eigenkapital durch die Gesamtvermögen und multiplizieren Sie mit 100. Das gibt Ihnen die Eigenkapitalquote in Prozent. Eine Quote von über 30% gilt als gesund, unter 20% kann riskant sein.

03

Achten Sie auf die Struktur

Ist das meiste Vermögen im Anlagevermögen gebunden? Dann brauchen Sie Stabilität. Ist viel Umlaufvermögen da? Dann brauchen Sie Liquidität. Die Struktur muss zum Geschäftsmodell passen.

Finanzanalyst arbeitet mit Bilanzberechnungen und Finanzmetriken auf mehreren Bildschirmen

Zum Mitnehmen

Die Bilanz ist nicht kompliziert, wenn Sie das Grundprinzip verstanden haben: Aktiva zeigen, was Ihr Unternehmen besitzt. Passiva zeigen, wie es finanziert wurde. Die beiden Seiten müssen immer gleich sein.

Mit diesem Verständnis können Sie eine Bilanz lesen und interpretieren. Sie verstehen, ob Ihr Unternehmen auf soliden Beinen steht oder ob Handlungsbedarf besteht. Das ist das Fundament für intelligente finanzielle Entscheidungen.

Vergessen Sie nicht: Eine Bilanz ist eine Momentaufnahme. Sie zeigt die Lage an einem bestimmten Tag. Um wirklich zu verstehen, wie es Ihrem Unternehmen geht, brauchen Sie auch die Gewinn- und Verlustrechnung und regelmäßige Kennzahlanalyse. Aber mit diesem Grundwissen sind Sie schon gut gerüstet.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel bietet eine allgemeine Einführung in die Grundlagen von Bilanzen und ist rein informativ gedacht. Er ersetzt keine professionelle Finanz- oder Steuerberatung. Die Bilanzierung in Deutschland unterliegt komplexen Vorschriften (HGB, IFRS). Für Ihr spezifisches Unternehmen sollten Sie einen Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer konsultieren. Die Beispiele sind vereinfacht dargestellt — reale Bilanzen sind oft detaillierter. Alle Informationen basieren auf dem Stand von Februar 2026 und können sich ändern.